Abschied (1)

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

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Text: Hermann Hesse
Bildnachweis: Simon Werner

 

Gebet

Gott,
Nicht ich, sondern Du
Nicht ich allein, sondern ich in Dir
Nicht einfach Du, sondern Du in mir

Ich in Deinen Verheißungen
und Du in meinen Gedanken
Ich in Deinem Willen
und Du in meinen Taten

Ich in Deiner Gnade
und Du in meinen Händen

Ich in Deiner neuen Welt
und Du in meinem Alltag

Nicht ich, sondern Du
Nicht ich allein, sondern ich in Dir
Nicht einfach Du, sondern Du in mir

– von Anton Rotzetter (1939) –

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