Fragen an Abraham

Lieber Abraham,

ich habe Fragen.
Große Geschichten wurden mir von Dir erzählt.
Segensgeschichten. Geschichten eines großen Volkes.
Dein Name, ein Titel für namenlose Frauen noch viele Jahre später.

Abrahams Tochter. Dieser Titel gefällt mir.
Eine Verheißung war dieser Name für unsichtbare Frauen.
Ein Titel, von Jesus verliehen.

Ein Mann des Segens solltest Du sein.
Das warst Du sicher auch.
Doch was war mit Deinen Frauen?
Warst Du ein Segen für Deine Frauen?

Wieso hast Du selber dafür gesorgt,
dass Deine Frauen zu unsichtbaren Frauen wurden?
Zu missbrauchten Frauen hast Du sie gemacht.

Meintest Du, der Segenszuspruch galt nur Dir allein?
Sollte nur Dein Leben gesegnet sein?
Die Frauen, egal?

Zum Beispiel die Geschichte in Ägypten.
Sara, deine Frau, ist sehr schön. Du hast Angst.
Doch halt! Du hast keine Angst um sie.
Nein, Du hast Angst um Dich.
So wird Sara zu Deiner Schwester und zu Pharaos Frau.
Ihr Wille, ihre Sexualität, ihr Leben – all das spielt keine Rolle?
Sind das die Segensspuren, die von Dir ausgehen sollten?

Zweimal spielst Du dieses Spiel.
Zweimal wird Sara zu deiner Schwester und
fremde Könige haben damit freie Bahn.
Zweimal spricht Gott zu fremden Königen und bestraft sie.
Sprach Gott auch zu Dir in dieser Zeit?
Hattest Du ein schlechtes Gewissen?
Fragen.

Und dann Hagar. Die Magd aus Ägypten.
War sie das Wiedergutmachungsgeschenk vom Pharao?
Ein Versöhnungangebot?
Eine Sklavin als Entschuldigung?

Hast Du Dich eigentlich auch bei Sara entschuldigt?
Fragen.

Hagar.
Na klar, sie war Sklavin.
Ihr Wille, ihre Sexualität, ihr Leben – all das spielt keine Rolle!
Aber dann war sie schwanger.
Sie trug Dein Kind in sich. Sie trug den versprochenen Segen in sich.

Warum übernimmst Du nicht spätestens dann Verantwortung?
Warum ist Dir das alles zuviel?
Zickenkrieg. Was habe ich damit zu tun?
Waren das Deine Gedanken?
Fragen.

Fragen über Fragen.
Fragen, die Du Dir gefallen lassen musst.
Als Erzvater, als Mann des Segens, als Vater großer Völker.

Fragen, die offen bleiben.

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Nachzulesen in Genesis 12-20

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unsichtbar

In der Wüste



Foto von Marcel Strauß auf Unsplash





Halt mal kurz dein Leben an – zum Buß- und Bettag

Dieser Tag heißt: Mach mal Pause!
Zuhause oder im Wald.
Mach mal Pause heute. Da, wo du bist.
Halt mal kurz dein Leben an.

Kurz mal still sein.
Kurz mal stehenbleiben.
Kurz mal innehalten.
Halt mal kurz dein Leben an.

Stimmt der Weg?
Stimmt die Richtung?
Stimmt das Ziel?

Was glaube, liebe und hoffe ich?
Wo sehe ich den Balken nicht?
Wessen Splitter zähl ich täglich?
Wer liebt mich und was trägt mich wirklich?

Kurz mal den Wald zwischen den Bäumen suchen.
Kurz mal den Kompass entstauben.
Kurz mal das Ziel am Herzen ausrichten.

Halt mal kurz dein Leben an.
Lass Gott an dein Herz ran.
Frage ihn, ob die Richtung stimmt.

Und dann geh weiter.
Nach vorne oder zurück.
Und wenn du umkehrst sei gewiss:
Gott geht diesen Weg mit dir mit.

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