dreck & auferstehung

du legst deinen finger in meinen dreck
und das heilt meine wunden
du malst mit deinem finger dein kreuz
ganz sacht auf meine stirn

im staub gesehen
mit staub gezeichnet
aus staub auferstehen

ich lege meinen finger in deine seite
und das lässt mich glauben
du malst mit deinem finger dein kreuz
ganz sacht in meine hand

im staub gesehen
mit staub gezeichnet
aus staub auferstehen

du schmierst den dreck auf meine augen
und das lässt mich sehen
du malst mit deinem finger dein kreuz
ganz sacht in meinen blick

im staub gesehen
mit staub gezeichnet
aus staub auferstehen

du siehst den dreck in mir drin
und das macht mich heil
du malst mit deinem finger dein kreuz
ganz sacht in mein herz

in meinem dreck siehst du schon das leben
in meinen dreck zeichnest du dein leben
mit meinem dreck kann ich zu dir gehen
aus meinem dreck lässt du mich auferstehen

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Zum Aschermittwoch nach 1. Mose 2,7; Johannes 8; Johannes 9,8; Johannes 20,27
Bildnachweis: gorrinbel@unsplash.de




zwischen den jahren

zwischen sternen und himmelskind
glitzer und feuerwerk
sind wir die, die wir waren
sind wir die, die wir in diesen
365 tagen gewachsen sind

zwischen vorsätzen und nachklängen
abschieden und neuanfängen
sind wir die, die wir waren
sind wir die, die wir in diesen
365 tagen gewachsen sind

mal laut, mal leise
mal doof, mal weise
mal erwachsen, mal kind
mal fremd, mal zuhause
mal sehend, mal blind
mal fragend, mal suchend
sind wir die, die wir waren
sind wir die, die wir in diesen
365 tagen gewachsen sind

ich mit dir und alleine
schreiend im walde
tanzend in der küche
stolpernd auf wegen
bergauf und bergab
den himmel im blick
jetzt.

zwischen sternen und himmelskind
glitzer und feuerwerk
bin ich die, die ich war
bin ich die, die ich in diesen
365 tagen gewachsen bin

zwischen vorsätzen und nachklängen
abschieden und neuanfängen
bin ich die, die ich war
bin ich die, die ich in diesen
365 tagen gewachsen bin

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Wo Gott wohnt

Wenn Gott bei den Menschen zuhause ist,
wo wohnt er dann?

Im beschaulichen niedersächsischen Dorf,
neben dem VW-Werk?
Oder doch eher im Hochhaus in Berlin-Heerstraße-Nord?
Wohnt er in Rostock am Meer?

Wenn Gott bei den Menschen zuhause ist,
wo wohnt sie dann?

In der Krankenstation von Lilongwe?
Im Kinderheim in Alem?
In Aleppo, Lesbos oder auf dem Mittelmeer?
In Gaza oder Aschkelon?
Wohnt sie im Schlauchboot? Im Zelt oder im Containerdorf?

Wenn Gott bei den Menschen zuhause ist,
wo wohnt er dann?

Auf der Straße, unter der Brücke, auf der Parkbank?
Im Dorf, in der Stadt, im Haus, in der Wohnung? 
Bei Dir? Bei mir?

Ja.

Wenn Gott bei den Menschen zuhause ist,
dann wohnt sie da.

Im beschaulichen niedersächsischen Dorf,
neben dem VW-Werk.
Im Hochhaus in Berlin, Heerstraße-Nord.
In Rostock am Meer.

In der Krankenstation von Lilongwe.
Im Kinderheim in Alem.
In Aleppo, Lesbos und auf dem Mittelmeer.
In Gaza und in Aschkelon.
Im Schlauchboot.
Im Zelt und im Containerdorf.

Überall da wo Menschen wohnen.
Wohnen müssen.
Da ist er. 
Da ist sie zu Hause.

Da ist Gottes Wohnung.
In Dir. In mir.
In denen mit den zerbrochenen Herzen.
In denen mit den wankenden Knien.
In denen, die fliehen.
In denen, die bleiben.
In denen, die hingehen.
In denen, die leiden.

Da wohnt Gott.
Da und auch hier.

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