Wunschzettel

Wünsche stehen bei uns gerade hoch im Kurs. Jeden Tag kommen die Kinder mit einem neuen Wunsch und das, wo ich diesmal echt früh bin und schon alles zusammen habe.

Doch, was wünsche ich mir?

Wenn ich mir etwas wünsche, zeige ich damit auch, dass ich etwas brauche. Erwachsenen fällt das oft schwerer – einmal, weil sie schon gelernt haben, dass materielle Geschenke nicht alles sind – aber auch, weil sie nicht so gerne zugeben, dass sie etwas brauchen.

Dieses Jahr brauche ich aber offensichtlich etwas, denn ich bin ko. Seit September läuft unser Leben ununterbrochen auf Hochtouren (bis auf eine Woche Urlaub im Herbst) und ich fühle mich leer und ausgelaugt. Ich brauche Ruhe. Vor allem im Kopf, denn mit drei Kindern ist im normalen Alltag eben nicht viel Ruhe drin. Ich brauche ein paar Tage an denen ich nicht an alles gleichzeitig denken muss, an denen ich nichts vorbereiten, planen und organisieren muss. Ich brauche ein paar Tage Zeit zum Spielen, Zeit zum Zuhören und Vorlesen, Zeit zum Singen und lachen. Ich brauche ein paar Tage nur mit Familie und mit niemandem sonst. Ich brauche Luft und Weite, kalte Spaziergänge, Wind und Wetter.

Ich wünsche mir das Meer.

 

Leben auf!

(Fortsetzung von Tür auf!)

Es ist Donnerstag und ich werde, wie jeden Morgen, durch die Kinder geweckt. Hatte Jesus nicht gesagt, dass er klingeln wollte? Kurz überlege ich, ob ich das Klingeln überhört habe, aber dann lässt mir die Morgenroutine keine Zeit zum Nachdenken mehr. Erst als ich um kurz nach acht am Schreibtisch sitze und alles ruhig ist, erinnere ich mich wieder. Wollte Jesus nicht wieder zu mir kommen? Gestern war er doch so real neben mir und mit mir unterwegs. Oder war das alles nur ein Traum? Komisch.Weiterlesen »

Offenes Haus II

Donnerstag, 12.12.13

T. hat den ganzen Tag Termine und die Mädchen sind traurig, dass sie ihn noch nicht gesehen haben. Für sie ist es bis jetzt ein unbekannter Besuch, den sie nicht mal morgens wecken dürfen. (Das dürfen sie sonst, wenn Oma und Opa im Gästezimmer schlafen.)

Abends sitzen wir wieder im Wohnzimmer. T. holt ein Neues Testament aus der Tasche und möchte mit dem „Pastor“ reden. Er erzählt viel, man merkt an seiner Stimme, wo er bewegt ist und an zu Hause denkt. Als er von seinem toten Vater spricht, kommen ihm fast die Tränen. Mir auch. Bei seiner Ausbildung zum Altenpfleger denkt er an seine Eltern. Seine Mutter ist weit weg. Er kann nicht für sie da sein. Aber er ist für unsere alten, einsamen Menschen da. Er erzählt von einem iranischen Pastor, der ihn taufen wollte, damit er die Papiere sofort bekommt. T. sagt, Glaube ist eine Herzenssache und keine Papiersache. Seit drei Jahren wartet er auf Asyl. Er ist bei uns geduldet und kümmert sich um unsere Alten.

T. möchte wissen, was Christen über den Islam denken. Er weiß, was der Islam über Juden und Christen denkt und hat erlebt, dass es nicht immer stimmt. Er muss fliehen, weil er christliche Freunde hat. Sein sehnlichster Wunsch in Deutschland ist ein eigenes Zimmer, wo er machen kann, was er will und nicht von Landsleuten beobachtet wird. Er hat Angst um seine Familie. Glauben ist Privatsache, sagt T., und erzählt von den Mullas, die in seiner Heimatstadt das Leben kontrollieren.

Wir lernen von ihm. Abends im Bett beschließen wir, dass er Weihnachten gerne mit uns feiern kann, wenn er möchte.

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