Im Garten


An diesem Morgen treffen wir uns alle im Garten. Ganz früh.
Abrahams Tochter, der Blinde, der nun sehen kann und ich.
Wir reden nicht viel. Jede und jeder weiß, was zu tun ist.
Es ist unsere Ostertradition.
Wir pflanzen einen Baum. Im Garten.
Dieses Jahr ist es ein Mandelbaum.
Davon träume ich schon lange.

Ich habe den Gärtner eingeladen mitzumachen.
Gut, dass er da ist.
Wir beginnen und haben viele Fragen.
Welcher Standort, welcher Boden,
wann beschneidet man den Baum und wie?
Wusstet ihr, dass der Mandelbaum zu den Rosengewächsen gehört?
Es ist wie eine andere Welt, aus der uns der Gärtner erzählt.

Seine Worte erinnern mich an Jesus.
Ich, wir alle hatten so viele Fragen.
Jesus erzählte vom Reich Gottes, von dieser neuen Welt.
Gemeinsam probierten wir das neue Leben aus.
Wir hegten und pflegten die Worte, die er in uns hineinlegte.
Als wir spürten, wie die Saat aufging, schützten wir die junge Pflanze.
Wir freuten uns über jedes grüne Blatt
und bejubelten die ersten Blüten.
Ich muss lächeln.
Eigentlich war Jesus ja doch der Gärtner!
Er hat das Reich Gottes in mein Herz gepflanzt.

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Text zuerst erschienen in DieGemeinde 06-2021 „Aus lauter Passion“

Und ich?

Und ich:
Darf er mir die Füße waschen?

Und ich:
Kenne ich ihn,
wenn mich jemand fragt?

Und ich:
Bleibe ich?

Und ich:
Womit verrate ich ihn?

Und ich:
Wo bin ich.
wenn ihn alle verlassen?

Und ich:
Wer bin ich an diesem Abend?

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Text zuerst erschienen in DieGemeinde 06-2021 „Aus lauter Passion“

heil sein

Er
sieht mich an,
sieht, was heil sein könnte,
streckt die Hand aus,
heilt.

Deine Augen haben mein
Heil gesehen,
gesehen, was in mir sein könnte,
gehofft, dass ich glaube,
gefühlt, was ich brauche,
geheilt, was zerbrochen ist.

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Bild und Text zuerst erschienen in DieGemeinde 06-2021 „Aus lauter Passion“