Eine Weihnachtsgeschichte (Teil 1)

Müde. Sie waren so unendlich müde.
Seit fast zwei Jahren waren sie nun unterwegs.
Was am Anfang wie ein großes Abenteuer wirkte und neue Freiheiten und Gewohnheiten hervorbrachte, war nun einfach nur noch anstrengend.
Angst schwang immer mit. Angst um Eltern und Großeltern. Angst um die eigenen Kinder.
Angst vor ungewollter Nähe in vollen Zügen.
Es war diese unterschwellige Angst, die sie so müde machte.
Und dann diese Ungewissheit. Niemand konnte sagen, wie lange es noch so weitergehen sollte.
Wann kamen sie an? Und was war eigentlich das Ziel?
Gab es ein Ende der Erschöpfung? Einen Ausstieg aus diesem Strudel, gefangen in den Wellen?

Wann immer der Himmel es zuließ, blickten sie in die Sterne.
Mal alleine, mal mit Freunden. Mal schweigend, dann wieder lachend.
Der Blick in die Glut und zu den Sternen gab ihnen Kraft.

… (Fortsetzung folgt)

Treffpunkt: Krippe

Beim „O, du fröhliche“ sind sie alle da.
Egal von wo und wie lang und beschwerlich der Weg war.
Hier treffen sie sich. So ist die Verabredung seit vielen Jahren.
Manche haben sich schon vor vielen Wochen auf den Weg gemacht.

„Treffpunkt: Krippe!“ rufen sie sich zu.
Alle wissen Bescheid – doch der Weg bis zur Krippe ist für jede*n anders.

Da ist zum Beispiel Piet. Piet gehört zu den Königen aus dem Morgenland.
Er trägt einen glänzend grünen Umhang.
Den ganzen Weg wird er in seinem Königsstuhl geschoben.
Es dauert lange. Seine Begleitung braucht Pausen und Piet auch.
Er freut sich. Er freut sich schon so sehr auf das Kind.
Sein Lachen ist laut und sein Kopf schwingt vor Aufregung hin und her.
Er ist so aufgeregt.
Als sie endlich ankommen, schallt sein Lachen durch den Stall.
Und dann, hier an der Krippe wird Piet ganz ruhig.
Er genießt dieses Lied so sehr. Jedes Jahr wartet er darauf.
Der lange Weg ist geschafft. Das Warten hat sich gelohnt.
Piets Augen glänzen mit seinem grünen Königsumhang um die Wette.

Natürlich ist Maria auch da. Heute darf sie Maria sein. Nur für diesen Tag.
Ihr Weg war nicht ganz so weit, aber auch sie hat viel hinter sich.
Und nun steht sie hier an der Krippe und singt ihr Lied.
Mit klarer Stimme und strahlenden Augen.
Alle anderen stehen oder sitzen um sie herum.
Heute steht Maria im Mittelpunkt. Nur für diesen Tag.
Wie schön sie ist. Wie gut ihr das tut!

Beim „O, du fröhliche“ sind sie alle da.
Hier, an der Krippe, treffen sie sich.

Hier dürfen sie sein.

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Inspiriert durch das Krippenspiel der Hans-Christian-Andersen-Schule Teltow.