Leben auf!

(Fortsetzung von Tür auf!)

Es ist Donnerstag und ich werde, wie jeden Morgen, durch die Kinder geweckt. Hatte Jesus nicht gesagt, dass er klingeln wollte? Kurz überlege ich, ob ich das Klingeln überhört habe, aber dann lässt mir die Morgenroutine keine Zeit zum Nachdenken mehr. Erst als ich um kurz nach acht am Schreibtisch sitze und alles ruhig ist, erinnere ich mich wieder. Wollte Jesus nicht wieder zu mir kommen? Gestern war er doch so real neben mir und mit mir unterwegs. Oder war das alles nur ein Traum? Komisch.Weiterlesen »

Offenes Haus II

Donnerstag, 12.12.13

T. hat den ganzen Tag Termine und die Mädchen sind traurig, dass sie ihn noch nicht gesehen haben. Für sie ist es bis jetzt ein unbekannter Besuch, den sie nicht mal morgens wecken dürfen. (Das dürfen sie sonst, wenn Oma und Opa im Gästezimmer schlafen.)

Abends sitzen wir wieder im Wohnzimmer. T. holt ein Neues Testament aus der Tasche und möchte mit dem „Pastor“ reden. Er erzählt viel, man merkt an seiner Stimme, wo er bewegt ist und an zu Hause denkt. Als er von seinem toten Vater spricht, kommen ihm fast die Tränen. Mir auch. Bei seiner Ausbildung zum Altenpfleger denkt er an seine Eltern. Seine Mutter ist weit weg. Er kann nicht für sie da sein. Aber er ist für unsere alten, einsamen Menschen da. Er erzählt von einem iranischen Pastor, der ihn taufen wollte, damit er die Papiere sofort bekommt. T. sagt, Glaube ist eine Herzenssache und keine Papiersache. Seit drei Jahren wartet er auf Asyl. Er ist bei uns geduldet und kümmert sich um unsere Alten.

T. möchte wissen, was Christen über den Islam denken. Er weiß, was der Islam über Juden und Christen denkt und hat erlebt, dass es nicht immer stimmt. Er muss fliehen, weil er christliche Freunde hat. Sein sehnlichster Wunsch in Deutschland ist ein eigenes Zimmer, wo er machen kann, was er will und nicht von Landsleuten beobachtet wird. Er hat Angst um seine Familie. Glauben ist Privatsache, sagt T., und erzählt von den Mullas, die in seiner Heimatstadt das Leben kontrollieren.

Wir lernen von ihm. Abends im Bett beschließen wir, dass er Weihnachten gerne mit uns feiern kann, wenn er möchte.

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Sprung ins kalte Wasser

Heute habe ich zum ersten Mal für den AK Flüchtlingshilfe eine Familie besucht. Ich sollte fragen, was sich die Kinder zu Weihnachten wünschen. Ich hatte Namen und Adresse und das ungefähre Alter der Kinder. Sonst Nichts. Keine Herkunft. Keine Info, wie lange sie schon hier sind, welche Sprache sie sprechen etc. Jetzt weiß ich, dass sie zuerst Wintersachen brauchen und Weihnachtsgeschenke zweitrangig sind. Und ich weiß, dass man sich schon irgendwie versteht. Na klar, bekommt der kleine Junge bei dem Wort „Auto“ oder „Fahrrad“ leuchtende Augen. Das ist ja auch viel toller als Mütze, Handschuhe oder Winterschuhe. Aber was ist wichtiger?

Und ich weiß, dass ich etwas tun kann und muss. Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll. Denn, nach dem „Sprung ins kalte Wasser“ kommt der „Tropfen auf den heißen Stein“.

Übrigens, ich hätte zum Mittag bleiben können, aber ich hatte (natürlich) keine Zeit.